Großherzogtum Baden - Boxberg

Kupferstich von Boxberg von Meriam (um 1630):

Die folgende Abbildung zeigt die Verpflichtungs-Urkunde für den Posthalter Valentin Adelmann in Boxberg, der 1789 in Thurn und Taxissche Dienste tritt.

Abmessung der Urkunde: 370 mm x 220 mm


BESTALLUNGSBRIEF von BOXBERG

 

Urkundentext:

Demnach der Durchlauchtigste Fuerst und Herr,
Herr Carl Anselm des H.R.R. Fuerst
Von Thurn und Taxis, gefürsteter Graf zu Friedberg und
Schergraf zu Valsassina, Freyherr zu Impden, Herr der Reichs-Herrschaft Eglingen und Osterhofen, auch der Herrschaften Tischingen, Demmingen, Balmershofen, Wolferten, Rossum und Meussegem und der souverainen Provinz Hennegau, Erbmarschall, Ritter des goldenen Vlieses, Ihro Röm. Kaiserl. Und Königl. Apostolischen Majestät wirklicher geheimer Rath, und Principal-Commissarius bey der algemeinen Reichsversammlung, auch Erb-General-Postmeister im Heil. Röm. Reich, Burgund und denen Niederlanden, u.u.

Mein gnadigster Fürst und Herr, Ihro haben gefallen lassen, dero Posthalterey zu Boxberg. Mir Valentin Adelmann, aus besondern Gnaden zu übertragen und anzuvertrauen, fort zu Dero Posthaltermann daselbsten mich zu ernennen, und zu bestellen; also gelobe und schwöre zu Gott Ich hiermit, dass bey Bedienung sothane Posthalterey fordersamst gegen Seine Hochfürstliche Durchlaucht und Dero rechtmässigen Erb-Lehens-Folgere mich mit aller Treue, Aufrichtigkeit, Glauben, Fleiss und Gehorsam jederzeit verhalten, und aufwärtig bezeigen, dero Nutzen, und Frommen, so viel an mir ist, stets suchen und befördern, Schaden und Nachteil dahingegen zeitig warnen und abwenden helfen, mit fremden Posten zum praejudiz dererjenigen, welche von seiner Hochfürstl. Durchlaucht dependiren, keine verfängliche Correspondenz führen, noch was das Postwesen belanget, von jemanden anderst, als Höchstderoselben allein Besold- und Bestallung annehmen, weniger ohne gnädigstes Vorwissen und Einwilligen mich in andere und fremde Pflichten, wie diese immer seyn möchten, begeben, die Ordinarien, Extra- und Staffetten,- ohne einige Hinder- und Versäumnis depechiren, fortschicken und befördern, das Publikum in dem Briefporto nicht übernehmen, sondern dieserhalb mich an der vorgeschriebenen üblichen Brief-Taxe treulich halten, die bey mir ein- und abgehende Briefe nach besten meinen Wissen und Gewissen ihrer Behörde nach abgeben und versorgen, abgeben und versorgen lassen, darunter aus Lieb oder Neid, es sey mit Zurückhalt- oder Unterschlagung derer Briefe oder auf andere Art niemanden verkürzen, denen, welchen der Brief-Freythum rechtmässig nicht zustehet, eigenmächtig, und für mich nicht verstatten, weniger einige jährliche Brief-Accorden errichten, von dem Porto aller bey mir ein- und abgehender Briefen und Paquetern, keine davon ausgenommen, von dreyen zu dreyen Monaten an das Kaiserlich Reichs Postamt zu WUERTZBURG aufrichtig gute Rechnung und Reliquia ohnfehlbar liefern und leisten, mir darunter Titulo Emluomentie, oder wie es geschehen seyn, oder geschehen möchte, nichts zueignen, sondern mich mit dem gnädigst ausgeworfenen Gehalt und dem darob erhaltenen Briefporto begnügen.

Übrigens aller Befehl- und Verordnungen, welche von Seiner Hochführstlichen Durchlaucht und man dem mir vorgesetzten Kayserl. Reichs Postamt Würtzburg allbereits gegeben worden seyn, oder ins künftige annoch zu besserer Vorsehung des Dienstes gegeben werden möchten, insonderheitlichen aber allen Punkten und Clausulen, welche in dem vom ten des Jahrs gefertigt, mir ertheilten Hochfürstlichem Patent begriffen seynd, in genere & in specie ohne mindeste Contravention und Widerstrebung mich confirmiren, und all solchem, so lang Seine Durchlaucht mich bey dero Posthalterey BOXBERG zu belassen geruhen, nachkommen, alles das, was einem redlichen treuen Diener oblieget, thun, und verrichten solle und wolle.

ALS WAHR MIR GOTT HELFE, UND

In Urkund habe Ich dieses unterschrieben, und mein Petschaft angedruckt.

Geschehen zu

P.S.
Besonders aber wird dem Posthalter anbefohlen das er zur Expedition der Posten und Verwahrung der Briefe ein besonderes Gemach oder Nebenstube halte, damit die Correspondenten die Sicherheit der Briefe erhalten, niemanden einsehe, was für Briefe eingehen und ablaufen, welches besonders von dem Wohllöblichen Kayserl. Reichs-Postamt Würtzburg anbefohlen wird, übrigens aber einem jeden die freye Correspondenz verbleibt, nach dem Brief-Taxa wie dieser vorgeschrieben ist. Würtzburg 8.ten November (9ber) 1789,

Kayserl. Reichs-Postamt

Unterschrift

 

Boxberg war im Mainzer Besitz, und seit 1803 vom Fürstenhaus zu Leiningen.
Boxberg hatte bereits 1750 eine Kaiserliche Reichspostanstalt, in der 1789 Valentin Adelmann Posthalter wurde. Er war lange Jahre Posthalter, mindestens bis 1828. 1803 fällt Boxberg an das Fürstenhaus Leiningen und war vom 2. Mai 1806 bis zum 1. August 1811 eine Lehenspostanstalt von Thurn und Taxis im Großherzogtum Baden.

Nachfolgend zeige ich hier vier Varianten von Postscheinen, alle unterschrieben vom Posthalter Valentin Adelmann bis April 1828.

Bild 1
 
Postschein 1: Postschein für einen eingeschriebenen Brief vom 16. Oktober 1817 aus der Posthalterei Boxberg. Der Brief lief zum Advokaten Kaiser in Würzburg. Die Scheingebühr von 4 Kreuzer war für den Posthalter.

Bild 2
 
Postschein 2: Postschein für einen Wertbrief mit 1 Gulden und 40 Kreuzer nach Wertheim am 17. Juli 1821.

Bild 3
 
Postschein 3: Postschein für ein Wertschreiben mit neun Gulden und 30 Kreuzer von Boxberg nach Grünsfeld vom 9. März 1823.

Bild 4
 
Postschein 4: Postschein für einen Wertbrief mit 16 Gulden zur Großherzoglichen Straßenbau Verwaltung in Tauberbischofsheim, am 16. April 1828.

Bild 5
 
Brief 5+6: Augusti Anno 1621
Ein Reichsbefreiter Ritterschafts- Botenbrief von Christoph von Adelsheim aus Boxberg nach Wachbach bei Mergentheim.

Bild 6
 

Bild 7
 
Schreiben vom 26. November 1800 mit dem Einzeiler „BOXBERG“ nach dem nahe gelegenen Mergentheim. Von diesem Stempelabdruck sind nur zwei Abschläge registriert.

Boxberg erhält in der ersten Verteilung von 1802 einen Rayonstempel „R2“ und später um 1830, in der badischen Zeit, führt Boxberg einen Rayonstempel „R3“, der in dieser Zeit sehr häufig verwendet wird.

Bild 8
 
Portoschreiben vom 5. Mai 1803 mit dem Rayonstempel „BOXBERG.R.2.“ (verwendet von 1802-1842) nach Mannheim. Dieser Abschlag ist die früheste bekannte Verwendung. Postkurs: Die Taxe von sechs Kreuzern sind vom Regierungsrat Wild zu zahlen.

Bild 9
 
Armen Sache (A.S.) frei von „BOXBERG.R.3“ in roter Farbe auf einem Brief vom 15. Juni 1839 an die Hospital Verwaltung zu Mergentheim

Bild 10
 
Portsache (P.S.) vom 26. November 1831 mit schwarzem Abschlag
„BOXBERG.R.3.“ nach Mergentheim. Stadtrath Stephan muss zwei Kreuzer Briefporto bezahlen für Briefe bis ½ Loth Gewicht und ein Kreuzer Bestellgebühr laut Generaltarif von 1820.

Jetzt eine Frage: Ist Valentin Adelmann, der ungefähr 40 Jahre als Posthalter arbeitete um 1830 gestorben? Hat sein Nachfolger den Stempel BOXBERG.R.2. nicht mehr benutzen können, weil der Stempel abgenutzt war und aus der ersten Verteilung stammte und aus Messing gemacht war? Grosse Postanstalten haben schon nach einigen Jahren den Stempel gegen einen Stempel aus Eisen austauschen müssen. Eine Nachforschung in alten Akten würde interessant sein.

Wusste der neue Posthalter namens Leicht nicht, dass Boxberg ein Rayonstempel „R2“ brauchte, weil er um 1830 ein „R3“ Stempel machen ließ?

Bild 11
 
Posthalter Leicht stempelte am 22. August 1843 noch immer mit „BOXBERG.R.3.“ in roter Farbe auf diesen Postschein für ein Schreiben an das Stadtbürgermeister-Amt in Mannheim.

Bild 12
 
Der Nachfolger von Leicht war Posthalter Ph.I. Reitz, er unterschrieb Postscheine in 1846-1850. Auf diesem Postmeisterschein, mit „Boxberg“ ausgedruckt, beträgt die Einschreibgebühr nur zwei Kreuzer, das ist die Gebühr für Fahrpostsendungen. Ein Paket mit einem Wert von 16 Gulden und 38 Kreuzer an die Kreisstiftungs- Kasse in Mannheim am 8. März 1846.

Bild 13
 
Postschein für ein Schreiben adressiert an das Rentamt in Brombach am 18. November 1848 hat ein Franko von vier Kreuzer, eine Einschreibgebühr ebenfalls von vier Kreuzer und auch noch eine Abgabsgebühr von drei Kreuzer.

Bild 14
 
Schreiben von Boxberg nach Wien am 27. Januar 1846
Die Taxe für eine Sendung über Konstanz war frei vom Bayerischen Zuschlag-Porto und kostete 12 Kreuzer für den Badischen Inland-Tarif und für den Österreichischen Tarif 2 Kreuzer. Insgesamt wurden 18 Kreuzer in Boxberg bezahlt. Grenzverrechnungstempel in blau: „BAD.Oe.“.

Bild 15
 
18. Juli 1844 Posthalter-Rechnung für eine Chaisen-Fahrt von Boxberg nach Berolzheim. Gedruckt von der Steindruckerei V. Schäfer in Hochhausen am Tauber.

Bild 16
 
31. Januar 1847, Eilwagenreiseschein als Ortsdruck für eine Fahrt von Boxberg nach Heidelberg. Die Kutsche fährt nach rechts.

Bild 17
 
5. Dezember 1855, Eilwagenschein für eine Fahrt von Boxberg nach Adelsheim. Die Kutsche fährt nach links. Die Personentaxe über 3,25 Meilen ist für 24 Kreuzer pro Meile berechnet = 78 Kreuzer = 1 Gulden und 17 Kreuzer.

Bild 18
 
14. April 1846 Schreiben von Columbus/Ohio nach Bocksberg via New-York und Havre de Grace. Inhalt: Das Großherzoglich Badische Amt wird vom Schreiber gebeten, den Brief an seine Schwester zuzustellen, da er ihren jetzigen Nachnamen nicht kenne. Am 24. Mai 1846 ergeht der Beschluss zur Zustellung und Zahlung des inzwischen auf 38 Kreuzer angewachsenen Portos.

Bild 19
 
28. November 1865, Gebühren-Quittung über die Beförderung eines Telegramms nach Wertheim.

Bild 20
 
3. Mai 1862 Inhalt eines Telegramms von Karlsruhe nach Boxberg.

Bild 21
 
Umschlag für ein Telegramm aus dem Jahr1862.

Bild 22
 
3. Oktober 1862 Postomnibuscurs zwischen Heidelberg und Würzburg, über Boxberg für eine Fahrt nach Tauberbischofsheim.

Bild 23
 
1. September 1862 Postomnibuscurs für eine Fahrt nach Schweigern,

Bild 24
 
5. Februar 1849 Dienstliches Schreiben (D.S.) über Krautheim nach Boxberg mit dem Rahmenstempel in rot mit Jahr.

Bild 25
 
4. Mai 1850 Rahmenstempel in rot ohne Datumszeile auf Postschein für ein Paket nach Würzburg.

Bild 26
 
20. März 1851 Rahmenstempel in blau ohne Jahr auf Liquid-Erkentniss als Nachnahme mit neun Kreuzer beschwert und drei Kreuzer Porto nach Krautheim.

Bild 27
 
23. November 1864 auf Badische Ganzsache nach Weingarten bei Durlach, das Porto beträgt drei Kreuzer unbegrenzt in ganz Baden.

Bild 28
 
1898 Als Anfang vom Philatelistische Teil erst eine Übersicht von Boxberg, klein aber fein.

Bild 29
 
11. September 1852 Ein Dreierstreifen (1b) auf eine Nachnahme mit 30 Kreuzer beschwert vom Amtsrevisorat Boxberg, Eubigheim nach Erfeld.

Bild 30
 
28. Mai 1852 Drei Kreuzer (2a) Porto bis 3 Meilen für eine Nachnahme über 7 Kreuzer von Boxberg (blauer 5Ring Stempel 17 und Rahmenstempel) nach Erfeld.

Bild 31
 
24. August 1852 Sechs Kreuzer Zweierstreifen (2a) Porto über 10 Meilen für ein Schreiben nach Heidelberg, mit schwarzem Stempel.

Bild 32
 
22. Oktober 1852 Drei Kreuzer (2b, Randstück) Porto für eine Nachnahme nach Lauda.

Bild 33
 
4. März 1852 Sechs Kreuzer (3a) Porto über 10 Meilen für ein Schreiben von Boxberg (blauer 5Ring Stempel und Rahmenstempel) nach Karlsruhe.

Bild 34
 
11. Dezember 1853 Sechs Kreuzer (3b Randstück) Porto nach Illenau.

Bild 35
 
15. Juni 1860 Ein Kreuzer (5) Porto für eine Drucksache nach Adelsheim. Brief wurde verschickt als Nachnahme über 18 Kreuzer, und eine Auslage von vier Kreuzer und Porto und Provision von drei Kreuzer. Es werden 25 Kreuzer vom Empfänger zu bezahlen sein.

Bild 36
 
Zwei Briefe mit der Nummer 10 in Farbvarianten.
5. August1860 Von Unterschlüpf (Uhrradstempel 1) über Boxberg nach Heidelberg wurde ein Kreuzer Landpost gerechnet und 3 Kreuzer Porto bis 10 Meilen.
8. Oktober 1861 Von Berolzheim, auch eine Landgemeinde in Boxberg, abgegeben nach Heidelberg für drei Kreuzer.

Bild 37
 
15. August 1862 sechs Kreuzer (11) für ein Schreiben über 10 Meilen nach Schwetzingen bei Mannheim.

Bild 38
 
22. März 1865 (Rahmenstempel mit Jahr!) Dreierstreifen (13) drei Kreuzer unbegrenzt in Baden nach Schillingstadt (Landort bei Boxberg) die Landpostgebühr wird nicht mehr extra berechnet.

Bild 39
 
29. Dezember 1867 Zustellungsurkunde nach Adelsheim.
Eröffnungskosten  3 Kreuzer
Zustellungskosten  6 Kreuzer
Porto  3 Kreuzer (Nr. 18)
Provision  1 Kreuzer (Nr. 17a)
Zusammen13 Kreuzer

Bild 40
 
26. Oktober 1865 Senkrechtes Paar und Einzelmarke (18), macht neun Kreuzer (Deutsch/Österreichisches Postvereins Porto) für einen Brief nach Römhild (Sachsen/Meinigen) Der Boxberger Kastenstempel mit Jahrangabe.

Bild 41
 
14. März ... Ganzsache mit neun Kreuzer, 6 Kr. Zusatzfrankatur als Vereinsporto (U9 + 19) nach Behlrieth bei Meinigen. Der Empfänger musste noch 2 Kreuzer nachbezahlen wegen dem Botenlohn von Meiningen nach Behlrieth.

Bild 42
 
29. Mai 1869 Vier Kreuzer (23+24) Nachnahme mit 40 Kreuzer beschwert nach Gissigheim bei der Stadt Königheim (Main/Tauber).

Bild 43
 
28. Dezember 1866 Handschriftliche Entwertung durch saubere blaue Tinte-Welle auf drei Kreuzer (18) auf Annullierte „D.S.“ nach Gommersdorf.

Bild 44
 
5. Oktober 1870 Handschriftliche Datums-Entwertung auf drei Kreuzer (24) auf Brief von Unterschüpf (Postablage) nach Windschläg bei Offenburg.

Bild 45
 
24. Mai 1865 Als Postvorschuss behandelter Nachnahmebrief aus Boxberg nach Unterschüpf (im Landpostbezirk der Expedition) Unfrei aufgegeben, daher auf der Adresseite Verwendung von zwei Landpost-Portomarken zu 3 Kreuzer (LP 2x) Nebengesetzt ein Rahmenstempel mit Jahr.

Bild 46
 
2. Juni .. Ganzsache mit neun Kreuzer als Vereinsporto nach Sachsen/ Meiningen. Der Empfänger musste noch 2 Kreuzer nachbezahlen wegen dem Botenlohn von Poesneck nach Hütten.

Bild 47
 
13. Februar ... Einkreisstempel auf Badische Ganzsache überklebt mit drei Kreuzer (Mi.Nr.9) Deutsche Reichspost für eine Sendung nach Karlsruhe.

Bild 48
 
29. Dezember (1872) Auslagenbrief mit 14 Kreuzer in Vierfarbenfrankatur nach Moskirch.
Die 1 Kr. Grün in Paar, drei Kr. in karmin, 7 Kr. in blau und 2 Kr. in orange alle mit dem kleinen Schild und vom 1872.