Die EISENBAHN-GEBÜHREN-ZETTEL
1. Juli 1874 bis 1886

GENERAL-VERFÜGUNG Nº 147 des General-Postamts, Berlin, den 18. Juni 1874. Im Amtsblatt der Deutschen Reichs-Postverwaltung Nº 52:

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GENERAL-VERFÜGUNG Nº 147, S. 297 des Amtsblattes der Deutschen Reichs-Postverwaltung Nº 52

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GENERAL-VERFÜGUNG Nº 147, S. 298 des Amtsblattes der Deutschen Reichs-Postverwaltung Nº 52

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GENERAL-VERFÜGUNG Nº 147, S. 299 des Amtsblattes der Deutschen Reichs-Postverwaltung Nº 52

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GENERAL-VERFÜGUNG Nº 147, S. 300 des Amtsblattes der Deutschen Reichs-Postverwaltung Nº 52

Portofreiheiten für die Correspondenz, Aktensendungen, Postanweisungen, Geldsendungen und Drucksachen in Dienst-Angelegenheiten der Eisenbahn-Gesellschaften und des Vereins Deutscher Eisenbahn-Verwaltungen auf den Umfang des Preußischen Postwesens, mithin bei Sendungen nach und vom Ausland auf die Preußische Post-Beförderungsstrecke. (nicht in Baden, Bayern und in Württemberg).

Die Briefe laufen mit dem Vermerk:

E.D.S. frei: Eisenbahn Dienst Sache frankiert;

D.E.V.S. frei: Deutsche Eisenbahn Vereins Sache frei.

Der Brief wird verschlossen mit einem Dienstsiegel oder Dienststempel der Gesellschaft.

Die Marken werden in der Preußischen Staatsdruckerei in Bogen zu 198 Stück im Steindruck hergestellt, 9 horizontal x 22 vertikal.

Das Postamt taxiert mit Rotstift in der linken unteren Ecke auf der Vorderseite des Briefes und die Taxe wird in besonderen Entschädigungs-Conto-Büchern notiert.

Das Postamt klebt die Marke, dem die absendende Gesellschaft zugeordnet werden kann, und setzt ein Postamts-Stempel mit Datum so, dass die Marke nicht gestempelt wird. Außerdem wird die Marke im Kaiserlichen General Postamt immer handschriftlich, zumindest um die Taxe, ergänzt.

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Die Postgebühren sind:

1874 für Briefe im Inland bis 15 Gramm 1 Groschen, von 15 bis 250 Gramm 2 Groschen; ab 1875 für Briefe im Fernverkehr bis 20 Gramm 10 Pfennig, von 20 bis 250 Gramm 20 Pfennig.

Es kommt vor, dass Briefe den Vermerk tragen: „Portopflichtige Dienstsache“, sodass der Empfänger bezahlen muss. Die Taxzahl wird dann in blau angegeben. Für Eisenbahn- Gesellschaften können noch nachträglich vom Postamt Marken geklebt werden, und das Porto wird nachträglich im Contobuch eingetragen.

Im Aufgabe-Postamt wird der Brief oft „E.D.S. frei“ bezeichnet und mit einer Marke versehen. Briefpost-Beförderung durch Eisenbahn-Beamte ist bereitwillig beendet und somit der Post entgegengekommen. Die Vermerke „Per Packmeister“ oder „Per Wagenführer“ ist 1875 auch nicht mehr erwünscht und wird gestrichen.

Brief vom 9. Juni 1875 (Bild 6), E.D.S. von Posen Bahnhof nach Bromberg. Taxiert mit 20 Pfennig mit Rotstift für 2. Gewichtsstufe, („2“ links oben), für Briefe im Fernverkehr von 20-250 Gramm. Die Journalnummer A 5386 III wird beim Aktenlauf immer notiert.

Bild 6
 

Die allgemeine Ausgabe der Eisenbahn-Gebühren-Zettel DI ist in 1874, vom 1. Juli bis 31. Dezember nur 21-mal registriert. Als Vorbilder zwei Briefe (Bild 7 und 8)aus der O.P.D. Magdeburg:

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11. Juli 1874 als freier E.D.S. nach Oldenburg und taxiert mit einem Groschen, ohne Journal-Nummer.

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20. Juli 1874 als E.D.S. frei nach Vorsfelde mit Journal-Nummer.

Bild 9
 
26. Juli 1874 als E.D.S. frei von Berlin West, Postamt 9 des Potsdamer Bahnhofs nach Braunschweig.

Bild 10
 
17. November 1874 als E.D.S. frankiert vom Stettiner Bahnhof nach Oldenburg.

Breslau hat im ersten Jahr auch die allgemeinen Zettel benutzt, kommt aber in Oktober 1875 mit einer eigenen Ausgabe. Wir bezeichnen den besonderen Breslauer O.P.D.-Zettel als DIIA1 mit maximal Journal-Nummer 18997 in 1875 und in 1876 bis maximal Nº 2729 laut Register. Registriert sind 14 Briefe und nur eine Brief-Vorderseite mit Stempel Breslau 2a.

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15. März 1875 D.E.V.S. (Deutsche Eisenbahn Vereins Sache) fr. von Breslau „Freiburger Bahnhof“ nach Oldenburg mit dem allgemeinen Zettel DI frankiert.

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26. April 1875 E.D.S. frankiert von Breslau Oberschlesischen Bahnhof nach Arnswalde mit Zettel DI frankiert.

Bild 13
 
10. November 1875 E.D.S. frankiert mit O.P.D.-Zettel „lt“ statt „laut“ DIIA1 Journal Nº IIIA 17075 von Breslau 2a. an die Königliche Direction der Ostbahn in Bromberg.

Bild 14
 
17. Dezember 1875 E.D.S. frankiert mit DIIA1 von Breslau nach Bromberg.

Die Eisenbahn-Gesellschaft Breslau schreibt viele tausende Briefe im Jahr; ich zählte in 1875 minimal 20.000 Stück. Die auf Sollnhofer Steinplatten gedruckten Zettel mit 198 Zetteln in einem Bogen kosten viel Einsatz, weil im Jahr minimal 100 Bogen benutzt werden.

Breslau hat schon in 1876 wieder einen neuen Druckstein in Gebrauch genommen für den Druck der Zettel. In diesen Stein ist ein Zettel mit einem n statt einem a für „laut“ gestochen worden, also „Inut“, wovon nur zwei Zettel registriert sind: Einmal auf Brief und einmal lose.

Von 1876 kommt die DIIA2 maximal mit der Journal Nº 11006 vor, 1877 mit Journal Nº 8474 (1 Stück); von 1879 ist nur 1 Stück registriert und von 1882 drei Stücke.

Insgesamt sind ab 1876 elf Briefe mit Stempel Breslau 2a und Breslau 5a/c registriert.

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28. August 1882 D.E.V.S. von Breslau mit der Oels-Gnesener Eisenbahn-Gesellschaft nach Magdeburg mit Zettel DIIA2. Der Oels-Gnesener E.B. Gesellschaft ist in Juli 1875 der Verein Deutscher Eisenbahnen beigetreten.

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22. September 1876 D.E.V.S. von Breslau nach Lübeck mit dem einzig registrierten Zettel DIIA2F auf Brief mit dem Schnittfehler bei der Herstellung der Steindruckplatte gemacht, mit „Inut“ statt „Laut“.

Auch Köln hat seine eigenen Zettel gedruckt und in 1881 werden sie in Gebrauch genommen. Sehr einfach zu erkennen mit dem großen in breit laufender Antiqua geschriebenen "Frei" und "konto" mit k. Registriert als DIIB. Es kommen circa 100 Briefe vor mit Poststempel Essen, Wesel, Coeln, Düsseldorf und Oberhausen.

Journalnummern:
1881: max 10.128 (Cöln);
1883: max 28.738 (Essen);
1884: max 19.898 (Essen);
1885: max 17.007 (Essen).

Beide Briefe in 1881 laufen mit DIIB und derselben Journalnummer A10.128 von Coeln a. Rhein 2 der Königlichen Rechtsrheinischen Eisenbahn-Gesellschaft nach Krefeld und Stolberg. Gestempelte Marken sind selten, weil es nicht erlaubt war, die Zettel zu stempeln. Es sind nur vier Briefe mit DIIB in Köln registriert (Bild 17 und 18).

Bild 17
 

Bild 18
 

Bild 19
 
12. März 1883 EDS (Portopflichtig geändert in Eisenb.) von Essen I Regierungs- Bezirk Düsseldorf Centrum nach Wanne.

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13. Juni 1884 E.D.S. von Essen (Ruhr) nach Münster. Registriert sind 70 Briefe. Das Papier ist hier maisgelb.

Bild 21
 
6. Juli 1885 E.D.S. von Essen nach Gelsenkirchen

Bild 22
 
24. März 1885 E.D.S. von Wesel nach Bersenbruck. Registriert sind 20 Briefe aus Wesel.

1885 kommt auch die Güter-Expedition in Hamburg mit einem eigenen Zettel DIIC, mit halbfettem fast geschlossenem C in Conto in Antiqua. Es sind drei Briefe und zwei Vorderseiten registriert.

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11. März 1885 E.D.S. fro von Hamburg 10, Venloer Bahnhof nach Saarbrücken bei Sankt Johann. Dieser Güterbrief hat keinen Aktenlauf, also keine Journal-Nummer.

Die Eisenbahn-Direktion "Bezirk Altona" und das Kgl. Eisenbahn Betriebsamt Hamburg, kommen auch mit einem eigenen Zettel DIID mit abweichendem C (mehr offen) in 1885/86. Es sind auch drei Briefe registriert.

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1. Mai 1885 „Portopflichtige Dienstsache“ bedeutet Empfänger bezahlt, das Postamt hat aber entschieden der E.D.S. portofrei zu versenden und klebt einen Zettel und notiert mit Rotstift 10 Pfennig im Kontobuch und der Brief geht frei von Hamburg 7a an den Kirchenvorstand in Hohenhorn bei Friedrichsruh.

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28. Juni 1886 E.D.S. frei von Hamburg 7a der Altona-Kieler Eisenbahn-Gesellschaft nach Bromberg

In Berlin kommen viele Eisenbahnen zusammen in allen Ecken der Stadt; wir zeigen einige Bahnhöfe, die erst viel später miteinander verbunden werden. Benutzt werden die allgemeinen Ausgaben der Zettel DI.

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27. November 1875; Berlin Post-Amt 5 ist der Hamburger Bahnhof. Der Zettel ist gestempelt, was nicht gestattet ist.

Bild 27
 
21. August 1875, Berlin West Post-Amt 9 ist der Potsdamer Bahnhof, der E.D.S. geht nach Magdeburg mit der Berlin-Potsdam-Magdeburger Eisenbahn.

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19. Juni 1882; Berlin West Post-Amt 9 mit neuem Stempel. Die Kgl. Eisenbahn- Directions-Kanzlei in Berlin P.A. 9 schickt einen E.D.S. Brief, der angeblich mit dem Packmeister reist als Eilbrief (Citisime!) nach Stettin in Pommern. Der Brief wird mit 20 Pfennig als Brief der zweiten Gewichtsstufe verschickt.

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5. Februar 1878; Berlin Post-Amt 11 ist der Anhalter Bahnhof als Express E.D.S. nach Oschatz in Sachsen.

Bild 30
 
14. Dezember 1874; Berlin Post-Expedition 36 der Görlitzer Bahnhof auf D.E.V.S. frei nach Oldenburg. Der Zettel ist voll gestempelt, was nicht der Vorschrift entspricht.

Bild 31
 
6. Februar 1876; Berlin Nord-West Post-Amt 40 des Lehrter Bahnhofs auf E.D.S. frei nach Rathenow, westlich von Berlin

Bild 32
 
2. Mai 1883; Berlin Nord Bahnhof 3. Die Sendung kommt von Köln am Rhein und ist als E.D.S. taxiert mit 50 Pfennig für eine Aktensendung ohne Wertangabe. Dieser Paketbegleitbrief hat keinen Aktenlauf, daher auch keine Journalnummer. Drei Paketadressen sind als E.D.S. registriert.

Post-Paketadresse 28:

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20. August 1877; Berlin Centrum 53, Rohrpost Postamt 2. Der Wertstempel mit 25 Pfennig ist für das Rohrpostporto. Die Rohrpostkarte ist nur einmal als E.D.S. registriert.

Brief nach Österreich/Ungarn:

Bild 34
 
1. Februar 1875 E.D.S. von Magdeburg nach Prag.

Für das damalige „Vereins-Ausland“ ist eine Portfreiheit wie in dem „Reichsgebiet“, obwohl Ungarn 1867 eine eigene Verfassung und Regierung hat.

Druckfehler:

Es gibt einen markanten Druckfehler der über übereinander angeordnete Zettel geht. Dabei handelt es sich vermutlich um einen Kratzer im Druckstein, denn wenn es sich um einen durch Spannungen im Druckstein entstandenen Haarriss handelt, dann wäre der 10 bis 15 mm dicke Stein absolut gebrochen.

Mit diesen Fehlern sind mehrere Zettel bekannt. Man findet sie links und rechts auf der Marke.

Briefe mit Druckfehlern (Bild 35, 36 und 37), Strich links und rechts. Wir finden die Marken in Magdeburg am 7. Oktober 1875. In Stettin am 8. November 1880 und nochmals in Stettin am 20. Januar 1881.

Bild 35
 

Bild 36
 

Bild 37
 

Falsche Briefe:

Bild 38
 
8. Januar 1875 aus München ist falsch, die Marke ist nachträglich auf den Brief geklebt, denn

1. hat München gar keine Zettel gehabt;
2. der Einkreisstempel ist bekannt von 1867/68 bis
    spätestens 1870;
3. kein Vermerk E.D.S. oder D.E.V.S. frei möglich,
    nur der Vermerk „Franko“;
4. die rote Taxzahl könnte bedeuten: 9 Kr., unfrankiert
    aufgegeben und 6 Kr. Reco-Gegenschein, macht
    zusammen 15 Kreuzer.

Bild 39
 
10. April 1878 vom Potsdamer Bahnhof in Berlin West P.A. 9 mit einer Marke DIIB der Coeln-Mindener Eisenbahn- Gesellschaft: unmöglich in Berlin, also falsch.

Bild 40
 
24. Februar 1876 aus Springe mit DI kann nicht echt sein, weil der Absender einen Dienststempel benutzt mit der Inschrift „Kön. Preussisches Amt/Springe“, also keine Eisenbahn- Gesellschaft. Der Brief ist bezeichnet mit „P.D.S.“ (Portopflichtige Dienstsache) und das Wort „Amt Springe“ ist mit dem Gebühren-Zettel überklebt. Die Anschrift betrifft einen „Baudirektor Stute“; kann deshalb aus diesen Gründen nicht als ECHT bezeichnet werden. Die Marke gehört nicht auf diesen Brief.